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23. Mai 2009

Im Herbst predigt die Reifenbranche, Winterreifen aufzuziehen. Und im Frühling? Da sollte eigentlich wieder auf die Sommerbereifung gewechselt werden. Doch immer mehr Autofahrer rüsten gar nicht mehr um und fahren mit Winterreifen durch den Sommer. Eine fragwürdige Praxis.

Mehr als die Hälfte der deutschen Autofahrer ist bei Eis und Schnee mit Winterreifen unterwegs – ein Erfolg, den die Reifenbranche auch dank massiver Werbung erkämpft hat. Doch das Geschäft mit dem Umrüsten hat einen Haken: Immer mehr Autofahrer entscheiden sich im Frühling, einen Bogen um die Werkstatt zu machen und mit Winterbereifung weiterzufahren, auch wenn es allenthalben grünt und Spaniens Blüten blühen.

Zwar gibt es noch keine offizielle Statistik über die Zahl der Umrüstmuffel, doch beim Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) spricht man “von einem eindeutigen Trend zum Fahren mit Winterreifen im Sommer”, so Hans-Jürgen Drechsler, stellvertretender Geschäftsführer der Händlervereinigung. “Die Verbraucher wollen vor allem Kosten für fällige neue Sommerreifen sparen.” Doch ist die Fahrt mit Winterausrüstung zum Beispiel in den Sommerurlaub überhaupt erlaubt? “Winterreifen im Sommer zu fahren ist zwar nicht verboten, ist aber auch nicht anzuraten”, sagt BRV-Sprecher Drechsler.

Denn die Winterpneus auf warmen Straßen sind so praktisch wie Moonboots am Strand. Der Fahrkomfort lässt nach, da sich Profilgestaltung und Gummimischung von Sommer- und Winterreifen grundlegend unterscheiden. Sommerreifen haben grobe Profile ohne zusätzliche Lamellen, ideal für trockenen und vor allem warmen Asphalt. Die Wintermodelle wiederum werden mit relativ kleinstrukturierten Profilen mit meist mehr als 2000 Lamellen ausgestattet. Diese bieten zusätzliche Griffkanten auf kalten und rutschigen Straßen. Außerdem ist die Gummimischung von Winterreifen deutlich weicher als die von Sommerreifen, zusätzliche Öle sorgen für ein geschmeidiges Verhalten auch bei Frost. Denn schon bei Temperaturen von unter sieben Grad Celsius kann das Gummi von Sommerpneus zu hart werden, um bei kaltem und mitunter rutschigem Asphalt den nötigen Grip aufzubringen. Winterreifen wiederum leiden im Sommer – die Auflagefläche der weicheren Pneus vergrößert sich und damit auch der Abrieb. Das belastet zum einen die Umwelt, zum anderen verringert sich die Lebensdauer der Reifen.

Wer ab Frühling nun weiter mit seiner Winterbereifung unterwegs ist, verbraucht im Schnitt rund ein Prozent mehr Kraftstoff. Gerade für Vielfahrer kann sich das zu einem erklecklichen Betrag summieren. Außerdem begibt man sich unnötig in Gefahr. Bei einer sommerlichen Temperatur von 20 Grad Celsius ist der Bremsweg mit Sommerreifen rund fünf Meter kürzer als mit Winterreifen – gemessen bei trockener Fahrbahn und einer Geschwindigkeit von 100 km/h. “Schon der kleinste Auffahrunfall mit Blechschaden ist meist deutlich teurer als ein Satz Sommer- oder Winterreifen”, sagt Jan Hennen, Sprecher des französischen Reifenherstellers Michelin. “Wer regelmäßig von Winter- auf Sommerreifen wechselt, erhöht wegen der besser angepassten Gummimischungen zudem die Laufleistung seiner Reifen. So hat man die Kosten für einen zweiten Satz Räder und die Umrüstung schnell wieder herausgeholt.”

Quelle: Spiegel online





1 Kommentar »

  1. [...] der irrt sich, denn das Portmonnaie wird es ziemlich schnell merken. Deutlicher dr

    Pingback by ► Darf man im Sommer mit Winterreifen fahren? — 30. Juli 2010 @ 16:35

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